Der Geologe Paul Niggli schreibt: «Die weissgelbe Dolomitlandschaft von Casaccia, der wildzackige Dolomitgipfel Pizzo Colombe zwischen den Gneisgipfeln Scai und Pizzo Lucomagno, die kohlig schwarz gefärbten, von Runsen durchbrochenen Bündnerschieferberge von Gana Negra und Scopi ergeben auf engstem Raum in Farbe und Gestalt eine Mannigfaltigkeit, wie sie sonst aus den Alpen kaum bekannt ist.»

Der Dolomit ist rund 200 Millionen Jahre alt, die Medelser Granite sind teils noch älter. Granit ist erstarrtes Magma des Erdinnern, der Dolomit wurde in Urmeeren abgelagert. Erstarrungs- wie Ablagerungsgesteine wurden bei der Alpenfaltung durch Druck und Hitze zu Gneis und Schiefer umgewandelt. Zwischen Scopi, dem Stausee von Santa Maria und dem Val Piora (mit dem Ritomsee) begegnen wir all diesen typischen alpinen Gesteinen.

In den Spalten des Gesteins zirkulieren wässrige Lösungen, aus denen die Wundergebilde der Kristalle wachsen. Der Strahler findet solche allerorten im Gebiet: etwa am Scopi, um Frodalera und oberhalb von Camperio. Es sind vor allem Bergkristalle, unter anderem gelbbraune Rauchquarze und orangefarbige, konische Tessiner Bergkristalle, ferner Granat, Disthen, Turmalin, Hornblende, Pyrit, Chlorit und Staurolith.

Dolomit und Gips werden wie der Kalk vom Wasser aufgelöst, so dass sich Höhlen, Dolinen (Verwitterungstrichter), Ponore (Schwundlöcher) und Stromquellen bilden können, die sonst in den kristallinen Hochalpen selten sind. Wir treffen sie vor allem an zwischen Passhöhe, Canali, Lareccio und der sehenswerten grossen Brennoquelle von Pertusio.

Selbstverständlich weist der Lukmanier auch vielgestaltige Formen des fliessenden Wassers auf, zum Beispiel in den Schluchten von Pertusio und Acquacalda sowie im mächtigen Wildbach des Vallone di Casaccia. Ebenfalls sind in dieser Hochgebirgsregion stark verbreitet die glazialen Formen, die des Gletschereises: Gletscherschliffe, Moränen und Rundbuckel (gletschermodellierte Felsbuckel). Sie beginnen gleich hinter dem Hospiz und sind auf den Bergwegen überall anzutreffen, besonders schön auf jenen zum Lai Blau und Passo dell'Uomo oder östlich vom Scopi im Val Cristallina. Auch die beiden Haupttäler von Medels und Brenno sowie das Seebecken von Santa Maria und der tiefeingeschnittene Sattel des Lukmanierpasses stellen glaziale Bildungen dar: Sie wurden in der Eiszeit durch die vereinigten und entsprechend wirkungsvollen Gletscher von Lai Blau, Cadlimo und Scopi geschaffen.

Literaturangaben:
BINGGELI, V. (1961), Zur Morphologie und Hydrologie der Valle del Lucomagno. Beitr. z. Geol. d. Schw., Hydr. Ser. 12, Bern. [Diss. Bern].

NIGGLI, P. und WINTERHALTER R. U. (1934), Das Lukmaniergebiet. Exk. Nr. 63, Geol. Führ. d. Schw., Fasc. XI, Basel.